Die
Darstellung von Menschen mit ihren vielen Facetten ist die Passion von
Barbara Heun. Ihre Bilder sind sensible Charakter-, Milieu- und Metier-Studien,
teilweise auch mit narrativen Ambitionen.
Die großen Formate und die sich über lästige Details
hinwegsetzende Malweise lassen ein beträchtliches Selbstbewusstsein
spüren. Durch diese beiden Pole - Sensibilität und Selbstbewusstsein
- wird ein Kraftfeld gebildet, aus dem die außerordentliche, expressive
Wirkung der hier gezeigten Werke gespeist wird.
Das Fundament bildet
ein hohes technisches Niveau, wie man es bei nebenberuflich tätigen
Künstlern eher selten findet. Selten wird so einfühlsam mit
Hintergrund und Format gearbeitet mit dem Ziel, das Anliegen des Bildes,
das man im Vordergrund sucht, zu verstärken.
Es verwundert zunächst,
dass die sehr fokussiert arbeitende Künstlerin jetzt auch Tiere
als Motiv entdeckt hat, woraus ja die Gefahr einer Ablenkung von ihrem
eigentlichen Sujet - den Menschen - erwachsen kann. Sehr schnell realisiert
der Betrachter aber, dass die Tiere - in ihrer Funktion als Begleiter
des Menschen oder als Spiegelbild - nur als Zeugen für oder gegen
die Menschen auftreten! Durch diesen geschickten dramaturgischen Trick
ergeben sich zusätzliche Möglichkeiten der ebenso humorvollen
wie treffenden Darstellung von menschlichen Eigenschaften.
Barbara Heun zeigt
Menschen nicht in ihren Krisen, sondern in normalen, alltäglichen
Situationen. Durch das Transferieren der "Momentaufnahmen"
in das langsame Medium der Malerei, durch den Verzicht auf photografisch
genaue Einzelheiten und verstärkt durch eigene Erfahrungen gelingt
es ihr subtile, universelle und zeitlose Stimmungen einzufangen. Musik
und Sport, diese kulturübergreifenden Ausdrucksmöglichkeiten
von Menschen, sind ein bevorzugtes Beobachtungsfeld für die Künstlerin:
Dirigenten, Sänger und Sportler werden in höchst emotionalen
Momenten "eingefangen".
Mit diesen gelungenen
Beispielen für die unter zeitgenössischen Kunstrichtungen
sehr populäre Neue Figuration ist die Entwicklung der Künstlerin
sicher nicht zum Stillstand gekommen. Das Abstrakte als künstlerische
Herausforderung und Erweiterung ist schon im bzw. als Hintergrund deutlich
präsent.
Wer die Ausstellung "Momentaufnahmen von Mensch und Tier"
besucht hat, wird mehr sehen wollen und freut sich auf zukünftige
Begegnungen mit Bildern von Barbara Heun.
(Dr. Reiner F. Schulz)
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